Warum Schuldgefühle als Mama oft viel älter sind als Deine Mutterschaft
Wie alte Wunden bis heute wirken und wie Du sie heilen kannst
Warum Du immer wieder ausrastest, schreist oder Dich schuldig fühlst, obwohl Du es doch eigentlich ganz anders machen möchtest.
Der Abend, an dem meine Geduld zu Ende war
Ich erinnere mich noch an einen Abend, der eigentlich wunderschön war.
Wir waren draußen gewesen.
Die Kinder hatten gespielt.
Wir hatten gelacht.
Es gab Pfannkuchen zum Abendessen und überall lagen noch die Spuren eines ganz normalen Familientages.
Buntstifte auf dem Tisch.
Ein halbfertiger Turm im Wohnzimmer.
Kleine Socken unter dem Sofa.
Nichts Besonderes.
Einfach Leben.
Und wenn mich jemand gefragt hätte, wie der Tag war, hätte ich wahrscheinlich gesagt:
„Eigentlich ganz schön.“
Aber da war etwas, das ich nicht bemerkt hatte.
Mich.
Seit dem Aufstehen war ich unterwegs gewesen.
Frühstück.
Wäsche.
Einkaufen.
Fragen beantworten.
Streit schlichten.
Zuhören.
Begleiten.
Kochen.
Aufräumen.
Trösten.
Organisieren.
Da sein.
Immer wieder da sein.
Ich hatte funktioniert.
Liebevoll sogar.
Ich hatte mich bemüht.
Ich hatte meine Kinder gehalten, wenn sie traurig waren.
Ich hatte ihre Wut begleitet.
Ihre Tränen.
Ihre Bedürfnisse.
Und gleichzeitig hatte ich mich selbst irgendwo unterwegs verloren.

Mein Kaffee stand kalt auf der Küchenarbeitsplatte.
Mittags hatte ich nur schnell die Reste vom Kinderteller gegessen.
Ich war seit Stunden nicht mehr auf Toilette gewesen.
Ich hatte Durst.
Kopfschmerzen.
Und diesen dumpfen Druck hinter den Augen, den ich inzwischen leider gut kenne.
Aber ich machte weiter.
Wie so viele Mamas.
Nur noch das Abendessen.
Nur noch die Küche.
Nur noch Zähne putzen.
Nur noch Schlafanzug.
Nur noch eine Geschichte.
Nur noch kurz.
Und dann wurde es Zeit fürs Bett.
Mein Kind wollte noch ein Buch.
Dann noch eins.
Dann noch kurz etwas erzählen.
Dann fiel ihm ein, dass der Teddy fehlte.
Dann war die Decke falsch.
Dann wollte es doch noch trinken.
Nichts davon war schlimm.
Wirklich nicht.
Es waren einfach Kinderdinge.
Aber in mir war kein Platz mehr.
Mein Akku war längst leer.
Mein Nervensystem lief schon seit Stunden auf Reserve.
Und als zum fünften Mal jemand aus dem Bett aufstand, passierte es.
Ich wurde laut.
Nicht so, wie ich sein wollte.
Nicht so, wie ich mein Kind begleiten möchte.
Ein genervtes, scharfes:
„Jetzt reicht es!“
Der Raum wurde still.
Meine Kinder erschraken.
Und sofort war sie da.
Diese Welle aus Schuld.
Diese Frage:
Warum passiert mir das immer wieder?
Warum schaffe ich es nicht, geduldiger zu sein?
Warum reiße ich mich nicht einfach zusammen?
Später saß ich allein auf dem Sofa.
Das Haus war endlich ruhig.
Und plötzlich wurde mir etwas klar.
Ich war nicht laut geworden, weil mein Kind noch ein Buch wollte.
Ich war laut geworden, weil ich seit Stunden über meine eigenen Grenzen gegangen war.
Weil ich den ganzen Tag stark gewesen war.
Weil ich alle getragen hatte.
Nur mich selbst nicht.
So ist das bei vielen Mamas die ich täglich in meinen Räumen sind und vielleicht kennst Du das auch:
Du wirst laut. Vielleicht schreist Du. Vielleicht schnauzt Du Dein Kind an. Vielleicht packst Du es etwas grober an, als Du eigentlich möchtest. Vielleicht unterstellst Du ihm Absicht.
„Jetzt hör doch endlich auf!“
„Warum machst Du das immer?“
„Kannst Du nicht einmal mitdenken?“
Und sofort danach kommt sie.
Diese Welle.
Diese Scham.
Diese Schuld.
Oh mein Gott.
Warum habe ich das schon wieder gemacht?
Ich wollte doch geduldig sein. Ich wollte doch liebevoll sein. Ich wollte doch niemals so werden.
Und genau hier möchte ich Dich heute zu etwas einladen.
Zu einer Perspektive, die vielleicht alles verändert.
Denn was wäre, wenn Deine Schuldgefühle gar nicht mit Deinem Kind begonnen haben?
Was wäre, wenn sie viel älter sind?
Die Wahrheit, die kaum jemand ausspricht
Viele Mamas glauben:
„Wenn ich mich mehr anstrenge, bekomme ich meine Gefühle endlich in den Griff.“
Doch wenn ich ehrlich bin:
Genau das ist oft das Problem.
Du strengst Dich bereits seit Jahren an. Vielleicht sogar seit Jahrzehnten.
Du versuchst:
- alles richtig zu machen
- niemanden zu enttäuschen
- eine gute Mutter zu sein
- eine gute Partnerin zu sein
- eine gute Tochter zu sein
- stark zu sein
- dankbar zu sein
- geduldig zu sein
Und trotzdem fühlst Du Dich oft nicht genug.
Nicht richtig.
Nicht wichtig.
Nicht sicher.
Warum?
Weil Schuldgefühle häufig nicht dort entstehen, wo wir glauben.
Schuldgefühle sind oft alte Gefühle in neuem Gewand
Viele Frauen denken:
„Seit ich Mama bin, habe ich ständig Schuldgefühle.“
Doch meistens bringt Mutterschaft etwas ans Licht, das längst da war.
Mutterschaft erschafft die Wunde nicht. Sie macht sie sichtbar.
Das ist ein großer Unterschied.
Denn Kinder drücken genau auf die Stellen in uns, die niemals wirklich heilen durften.
Nicht absichtlich. Aber automatisch.
Das Nervensystem erkennt Situationen aus der Gegenwart oft nicht als Gegenwart. Es vergleicht. Unbewusst. Permanent. Mit früher.
Und genau deshalb reagieren wir manchmal viel heftiger, als die Situation eigentlich rechtfertigen würde.
Was ist eigentlich ein Entwicklungs- oder Bindungstrauma?
Viele Menschen denken bei Trauma an schlimme Ereignisse. An Gewalt. An Katastrophen. An schwere Unfälle.
Doch Entwicklungstrauma entsteht oft viel leiser. Viel unsichtbarer.
Und genau deshalb wird es häufig übersehen.
Entwicklungstrauma bedeutet vereinfacht:
Vielleicht war niemand da. Vielleicht war Liebe da, aber keine emotionale Begleitung. Vielleicht waren die Eltern selbst überfordert.

Vielleicht mussten Gefühle unterdrückt werden. Vielleicht musste das Kind früh funktionieren. Vielleicht musste es stark sein. Vielleicht musste es brav sein.
Vielleicht musste es lernen:
- „Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“
- „Ich darf nicht stören.“
- „Ich muss mich anpassen.“
- „Ich darf nicht wütend sein.“
- „Ich darf nicht traurig sein.“
- „Ich muss alles allein schaffen.“
Diese Erfahrungen speichern sich nicht nur im Kopf.
Sie speichern sich im Körper. Im Nervensystem.
Dein Nervensystem unterscheidet nicht immer sauber zwischen damals und heute.
Es reagiert nicht nur auf das, was gerade wirklich passiert. Es reagiert auch auf das, was sich vertraut nach früher anfühlt.
Wenn Dein Kind heute schreit, könnte Dein Nervensystem unbewusst fühlen:
- „Ich bin wieder hilflos.“
- „Ich bin wieder allein.“
- „Ich genüge nicht.“
- „Ich habe etwas falsch gemacht.“
- „Ich werde abgelehnt.“
Und plötzlich fühlt sich ein ganz normaler Morgen an wie eine riesige Bedrohung.
Nicht für die erwachsene Frau in Dir. Sondern für den verletzten Anteil in Dir.
Das innere Kind einfach erklärt
Vielleicht hast Du den Begriff schon hundertmal gehört.
Inneres Kind.
Und vielleicht hast Du gedacht:
Was soll das überhaupt sein?
Lass es uns ganz einfach machen.
Dein inneres Kind sind die Anteile in Dir, die bestimmte Erfahrungen aus Deiner Kindheit gespeichert haben.
Es lebt nicht wirklich als kleines Kind in Dir. Aber die Gefühle von damals tun es.
Die Sehnsucht. Die Angst. Die Einsamkeit. Die Scham. Die Hilflosigkeit. Die Wut.
All das kann heute noch aktiviert werden.
Ein Beispiel aus dem Mama-Alltag
Stell Dir vor:
Deine Tochter sagt:
„Die anderen Mamas können das viel besser.“
Eigentlich nur ein Satz. Doch plötzlich trifft er Dich wie ein Schlag.
Du wirst traurig. Wütend. Verletzt.
Vielleicht ziehst Du Dich zurück. Vielleicht verteidigst Du Dich. Vielleicht gehst Du in Angriff.
Warum?
Nicht wegen des Satzes.
Sondern weil etwas Altes berührt wurde.
Vielleicht gab es einmal ein kleines Mädchen in Dir, das ständig das Gefühl hatte:
- Ich bin nicht gut genug.
- Ich genüge nicht.
- Mit mir stimmt etwas nicht.
Deine Tochter hat die Wunde nicht verursacht. Sie hat sie berührt.
Warum Mamawut oft nichts mit Deinem Kind zu tun hat
Ich weiß. Dieser Satz kann weh tun.
Aber er kann auch unglaublich befreiend sein.
Denn wenn Deine Wut nur am Verhalten Deines Kindes liegen würde, wärst Du ausgeliefert.
Dann müsstest Du warten, bis Dein Kind sich verändert.
Doch so funktioniert Heilung nicht.
Mamawut entsteht häufig dort, wo alte Überlebensstrategien auf heutige Herausforderungen treffen.
Dein Kind trödelt. Dein Nervensystem hört: „Du hast keine Kontrolle.“
Dein Kind widerspricht. Dein Nervensystem hört: „Du wirst nicht respektiert.“
Dein Kind weint. Dein Nervensystem hört: „Du bist überfordert.“
Dein Kind braucht etwas. Dein Nervensystem hört: „Du musst wieder alles allein schaffen.“
Das passiert blitzschnell. Unbewusst. Automatisch.
Die Traumabrille

Ein Begriff, den ich unglaublich hilfreich finde, ist die Traumabrille.
Stell Dir vor, Du trägst eine Brille.
Durch diese Brille betrachtest Du die Welt.
Wenn alte Verletzungen nie heilen durften, wird diese Brille eingefärbt.
Plötzlich wirken Situationen gefährlicher. Ablehnung fühlt sich größer an. Fehler wirken dramatischer. Konflikte wirken bedrohlicher.
Und genau deshalb reagieren viele Mamas so hart mit sich selbst.
Nicht weil sie schwach sind. Sondern weil sie durch eine Brille schauen, die ihnen ständig signalisiert:
- Vorsicht.
- Gefahr.
- Du musst perfekt sein.
- Du darfst nichts falsch machen.
Warum Schuld und Scham so eng zusammenhängen
Schuld sagt:
„Ich habe etwas falsch gemacht.“
Scham sagt:
„Ich BIN falsch.“
Spürst Du den Unterschied?
Schuld kann hilfreich sein. Sie hilft uns, Verantwortung zu übernehmen.
Scham dagegen zerstört Verbindung.
Zu uns selbst. Zu anderen. Zu unseren Kindern.
Viele Mamas tragen heute eine riesige Menge Scham in sich.
Nicht weil sie schlechte Menschen sind. Sondern weil sie früh gelernt haben:
Wenn ich Fehler mache, bin ich nicht liebenswert.
Die wundervolle Nachricht
Nichts davon bedeutet, dass Du kaputt bist.
Nichts davon bedeutet, dass Du ungeeignet als Mama bist.
Und nichts davon bedeutet, dass Deine Kinder dieselben Erfahrungen machen müssen.
Das Gegenteil ist der Fall.
Allein dass Du diesen Artikel liest, zeigt etwas ganz Wichtiges:
Du schaust hin. Du möchtest verstehen. Du möchtest Verantwortung übernehmen.
Und genau dort beginnt Veränderung.
Wie Du wieder in Kontakt mit Deinem inneren Kind kommst
Nicht durch noch mehr Selbstoptimierung.
Nicht durch noch mehr Druck.
Nicht durch noch mehr Bücher.
Sondern durch Verbindung.
Wenn Du das nächste Mal Schuldgefühle hast, probiere Folgendes:
Schritt 1: Stoppe für einen Moment
Nicht analysieren. Nicht bewerten. Nicht verurteilen.
Nur anhalten. Atmen. Spüren.
Schritt 2: Frage Dich
Wie alt fühle ich mich gerade?
Nicht wie alt bist Du. Wie alt fühlst Du Dich?
Manchmal kommt plötzlich:
Sieben. Neun. Zwölf.
Und das ist oft ein wertvoller Hinweis.
Schritt 3: Frage weiter
Was brauche ich gerade?
Nicht: Was brauchen alle anderen?
Nicht: Was müsste ich tun?
Sondern: Was brauche ich?
Vielleicht Ruhe. Vielleicht Nähe. Vielleicht Verständnis. Vielleicht jemanden, der sagt:
Du bist nicht falsch.
Schritt 4: Sprich mit Dir wie mit Deinem Kind
Stell Dir vor, Deine Tochter käme weinend zu Dir und würde sagen:
„Ich habe heute geschrien. Ich bin bestimmt eine schreckliche Mama.“
Würdest Du das sagen?
Natürlich nicht.
Du würdest sie in den Arm nehmen. Du würdest Raum halten. Du würdest Mitgefühl schenken.
Und genau das darfst Du lernen, auch Dir selbst zu geben.
Die eigentliche Heilung
Viele Frauen glauben, Heilung bedeutet:
- Nie wieder schreien.
- Nie wieder traurig sein.
- Nie wieder Schuldgefühle haben.
Doch Heilung bedeutet etwas anderes.
Heilung bedeutet:
- Du bemerkst früher, was in Dir passiert.
- Du verstehst Deine Reaktionen.
- Du kämpfst nicht mehr gegen Dich.
- Du wirst zur sicheren Erwachsenen für die verletzten Anteile in Dir.
- Du kommst nach Hause. Zu Dir. Immer wieder.

Häufige Fragen
Bedeutet Entwicklungstrauma, dass meine Eltern alles falsch gemacht haben?
Nein. Überhaupt nicht.
Die meisten Eltern geben weiter, was sie selbst gelernt haben.
Es geht nicht um Schuld. Es geht um Verständnis.
Kann ich mein inneres Kind wirklich heilen?
Ja. Nicht indem die Vergangenheit verschwindet.
Aber indem die Wunden endlich gesehen und gehalten werden.
Warum werde ich besonders bei meinen Kindern getriggert?
Weil Kinder uns täglich mit unseren eigenen Bedürfnissen, Grenzen, Gefühlen und Verletzungen in Kontakt bringen.
Sie sind oft die größten Spiegel unseres Lebens.
Wird meine Mamawut verschwinden?
Sie wird sich verändern.
Mit mehr Verständnis entsteht oft mehr Mitgefühl. Und aus Mitgefühl wächst Regulation.
Wo fange ich an?
Mit Neugier.
Nicht mit Verurteilung. Nicht mit Perfektion. Nicht mit Druck.
Sondern mit dem ehrlichen Wunsch, Dich kennenzulernen.
Fazit: Du bist nicht zu empfindlich. Du trägst eine Geschichte.
Vielleicht dachtest Du bisher, mit Dir stimmt etwas nicht.
Vielleicht hast Du geglaubt, Du müsstest Dich einfach mehr zusammenreißen.
Vielleicht hast Du versucht, eine noch bessere Mama zu werden.
Doch was, wenn Du gar keine bessere Mama werden musst?
Was, wenn Du stattdessen verstehen darfst, warum Du fühlst, wie Du fühlst?
Warum Du reagierst, wie Du reagierst?
Warum Schuld, Scham und Selbstzweifel so hartnäckig sind?
Denn oft beginnt Heilung genau dort.
Nicht beim Kämpfen. Sondern beim Verstehen.
Nicht bei der Perfektion. Sondern bei Mitgefühl.
Nicht beim Funktionieren. Sondern beim Ankommen.
Bei Dir.
Mehr dazu im Newsletter und im Kraftkurs: Werde, die Du bist!“
Wenn Du tiefer verstehen möchtest, wie Entwicklungstrauma, Bindungsverletzungen und alte Glaubenssätze bis heute Dein Leben beeinflussen und wie Du Schritt für Schritt zurück in innere Sicherheit findest, dann lade ich Dich herzlich in meinen Newsletter oder auch gerne in meine sicheren Räume für Mamas ein. Im Kraftkurs geht es genau darum, wie Du die Mama werden kannst, die Du als Kind vielleicht selbst gebraucht hättest.
Im Newsletter teile ich regelmäßig Impulse, Geschichten aus dem echten Mama-Alltag und sanfte Wege zurück zu Dir selbst.
Aber wenn Du spürst, dass jetzt die Zeit gekommen ist, wirklich tiefer zu gehen, dann findest Du im achtmonatigen Kraftkurs „Werde, die Du bist“ einen geschützten Raum für genau diese Reise.
Für die Reise zurück zu Dir.

Zurück in Deine Kraft.
Zurück in Deine Wahrheit.
Zurück nach Hause.
Und das glaubt mir ehrlich gesagt keiner, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte:
In dem Moment, in dem Du aufhörst, gegen Dich selbst zu kämpfen, beginnt etwas Wundervolles.
Nicht weil plötzlich alles leicht wird.
Sondern weil Du endlich nicht mehr alleine gegen Dich stehst. 🌸
Fühl Dich umarmt, Deine Janina🌸✨
P.S. Trage Dich in meinen Newsletter ein und erhalte regelmäßig sanfte Impulse rund um Selbstliebe, Nervensystem, innere Sicherheit und den Weg zurück zu Dir selbst. Manchmal reicht ein einziger Satz zur richtigen Zeit, um eine ganze Richtung im Leben zu verändern. 💛







